ÖMVV Beirat Michael Böck im Gespräch: StarterMotor

Michael Böck ist Beirat für Jugendthemen im ÖMVV und Präsident des AVCA. Er brachte die Idee zum Jugendförderungprogramm StarterMotor ein, das vom ÖMVV auf breiter Ebene ab März 2023 startet.

Was sind Deine Beweggründe dich für Jugendthemen einzusetzen?

Ich bin passionierter Oldtimerliebhaber, liebe alte Autos. Ich bin aber auch Vater von drei Burschen und freue mich, dass für die drei das Thema Oldtimer in unterschiedlicher Gewichtung, aber doch für jeden auch von Interesse ist. Nur sind sie halt ziemlich allein damit. Durch die Restaurierung meines ersten Oldtimers, eines MGB, den ich 1989 kaufte, habe ich viel über Technik gelernt und das hat mich begeistert, es wurde ein schönes Hobby.
Natürlich beobachte ich die Szene in Österreich dementsprechend schon einige Jahre und musste feststellen, dass meine Oldtimerfreunde mit mir immer älter werden, aber relativ wenig nachkommt. Immer schon wurde von Jugendförderung gesprochen, doch bisher wurde wenig konkret umgesetzt. Zumindest nichts mit Breitenwirkung. Damit die Leidenschaft das Kulturgut Oldtimer zu erhalten weiterlebt, musste etwas geschehen und da bin ich eher zufällig auf das britische Konzept StarterMotor gestoßen.

Welche Erfahrungen hast Du bist dato mit Jugendinitiativen auf Clubebene gemacht?

Ehrlich gesagt keine. Ich selbst kenne derzeit keine Initiativen anderer Clubs. Ich wollte das Konzept des britischen StarterMotor zunächst in meinem Club, dem AVCA umsetzen, doch hat mir der Ex Präsident und ehemaliger Beirat des ÖMVV Kurt Dichtl geraten, das gleich auf höchster Ebene im ÖMVV zu implementieren, damit es breitere Wirkung hat. Projekte dieser Art brauchen eine breite Plattform der Umsetzung.

Wie bist Du auf StarterMotor gestoßen?

Da meine Oldtimer hauptsächlich britischer Herkunft ist, habe ich auch Einblick in die dortige Szene.  Durch meine Kontakte in UK lernte ich eher zufällig das Projekt „StarterMotor“ von David Withers in Bicester Heritage kennen. Vorher war er Partner eines Oldtimerhändlers, über den ich ein Auto gekauft habe. David betreibt das schon seit sechs Jahren mit mittlerweile Riesenerfolg. Bei einer Veranstaltung des Vintage Sportscar Club, ein so genannter "Trial" nur für Vorkriegsautos, im Herbst 2022 waren unter den 113 Startern mindestens 30 Teilnehmer teils deutlich unter 25 Jahren alt. Das hat mich sehr beeindruckt. Ich fand das Konzept von StarterMotor, welches noch viel mehr beinhaltet, als wir es bisher hier umsetzen konnten, sehr ansprechend und auch einen Versuch in Österreich wert.

Worin liegt das Besondere von StarterMotor gegenüber anderen Jugendinitiativen?

Zum einen ist es leicht "unique" zu sein, da es noch nichts Vergleichbares gibt. Es gibt ein paar Initiativen. Aber ich denke, dass der hier gewählte Ansatz vor allem deswegen erfolgversprechend ist, da wir direkt auf die Jugendlichen zugehen, die noch keinen Berührungspunkt zur Oldtimer-Szene haben. Wir gehen aktiv an die Schulen. Wir setzen altersmäßig bei einer jungen Zielgruppe an, 17 Jahre aufwärts. Das heißt, wir warten nicht darauf, dass durch ein noch so attraktives Angebot junge Leute zu Veranstaltungen kommen, sondern wir versuchen die Begeisterung für die Sache schon früh zu erwecken, damit der, oder die eine, oder andere schon früh darüber anfängt nachzudenken, sich mit dem Kulturgut Oldtimer auseinanderzusetzen. Wir wollen auch vieles grundsätzliches erklären und Vorurteile ausräumen, allen voran, dass Oldtimer immer nur teuer sind. Jetzt fährt also der Prophet mit dem Oldtimer zum Berg.

Wie sieht es mit deinem Nachwuchs aus, dürfen diese auch mit deinen Fahrzeugen fahren?

Selbstverständlich! Man muss die Autos erleben, fühlen, damit der Funke überspringt. Mein Ältester wurde letzten Sommer 17 Jahre alt und wollte gleich den Führerschein haben. Ich habe ihn auch sofort nach dem Erhalt des Führerscheins in meinen MGB gesetzt und er wollte nichts anderes mehr fahren. Das, obwohl besonders der zweite Gang eher „vintage“ behandelt werden muss. Da ist die Synchronisation schon ziemlich dahin. Genau das macht aber den Spaß aus, man hat was zu tun. Das Fahrerlebnis ist seiner Aussage nach viel unmittelbarer als beim Alltagsauto. Mittlerweile ist er schon mit allen anderen Autos gefahren.

Wie bringst du sie ans Thema historische Fahrzeuge heran?

Eigentlich habe ich nicht viel dazu getan, sicher auch viel Glück gehabt. Vielleicht ist es so, dass das Thema immer positiv gesehen wurde. Es sollte nie zur Belastung werden. Der Oldtimer ist oft nur Mittel zum Zweck etwas gemeinsam zu unternehmen. Wir machen Ausflüge kultureller Art, oder gehen nett essen. Die Fahrt war halt immer mit dem Oldtimer. Ich habe die Kinder auch immer an die Fahrzeuge herangelassen, an das Lenkrad gesetzt, habe sie selbst starten lassen, oder einmal anfahren lassen, wo es sicher ist. Natürlich könnte was passieren, ein Kratzer, schmutzige Schuhe im Auto und so weiter. Tatsächlich ist aber nie etwas passiert, ohne Risiko gibt es keinen Spaß.
Nun restauriere ich mit ihnen einen Puch Motor, so gut ich das halt kann. Ist eher lustig, wegen meines überschaubaren Wissens, aber eine Alternative zum Handy und wir lachen viel.

Was sind deine Pläne für die Jugend als neuer Präsident des AVCA?

Das wird ein Langzeitprojekt, da wir uns als Club ja nicht nur historische Fahrzeuge, sondern vor allem die wirklich alten Autos zum Hauptthema gemacht haben. Daher fallen Mazda MX5 und Nissan Skyline für mich aus, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber ich bin hartnäckig und habe schon einige Ideen, die ich mir wieder einmal aus England abschaue. Man muss ja nicht das Oldtimerrad immer neu erfinden. Im Juni wird es erstmals einen Event, angelehnt an die so genannten Driving Tests des Vintage Sportscar Club, eine Art Autoslalom, geben. Wir werden aber einige zusätzliche Spaßaufgaben haben, die auch jugendliche Teilnehmer und Beifahrer ansprechen sollten. Der Spaß und das Soziale stehen im Vordergrund. Es wird Möglichkeiten zur Mitfahrt für Jugendliche in einer eigenen Spaßklasse geben. Ich glaube die jungen Leute brauchen vor allem Unterhaltung. Lange Fahrten und Gleichmäßigkeitsprüfungen sprechen noch nicht so an. Es sollte eine sportliche Haptik haben und es sollte viel zu lachen geben.

Ich möchte auch gerne so etwas wie die so genannte Generations Rallye des Veranstalters HERO, die heuer in UK wegen des großen Erfolges vom RAC ausgezeichnet wurde, veranstalten. Dort ist die Voraussetzung, dass am Beifahrersitz Jugend sitzt. Es ist ein eigener Event nur für diese Teams, nicht nur eine Klasse, im Rahmen eines Events. Daher gibt es auch Zusatzangebote, wie eine Einschulung am ersten Tag, steigende Schwierigkeitsgrade der Sonderprüfungen und wieder unterhaltsame Zusatzaufgaben. Mal sehen, ob das aufgeht.

Wo siehst Du StarterMotor in drei Jahren?

Dem britischen Vorbild folgend, sollte es noch viele Erweiterungen des Projektes geben. Dort gibt es bereits einen eigenen Fuhrpark zum Verborgen an Jugendliche. Es gibt eine Werkstätte und Kurse. Das alles ist von Spenden finanziert. Natürlich wird man das nicht alles auf Österreich gleichermaßen umlegen können, aber wer weiß. Wenn das Projekt, wie erhofft in ganz Österreich von diversen Clubs umgesetzt wird und damit die öffentliche Aufmerksamkeit gegeben ist, vielleicht finden sich dann großzügige Unterstützer. Mein Ziel ist es zumindest, dass die Veranstaltungen österreichweit von möglichst vielen Clubs an möglichst vielen Schulen jährlich abgehalten werden. Alles weitere ergibt sich dann.

An dieser Stelle möchte ich einen Apell aussprechen die Ärmel aufzurollen und aktiv mitzumachen. Es gibt nichts zu verlieren nur zu gewinnen. Ein möglicher Kratzer am Auto ist ein geringes Opfer, wenn man den Wertverlust gegenüberstellt, den unsere Autos haben werden, wenn niemand mehr damit fahren will, oder kann. Oldtimer gehören auf die Straße und dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen.
Foto: Credit © Alles Auto/Robert May

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